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Tokio Dining, Stuttgart

Beim letzten Besuch in Stuttgart konnte ich etwas ausprobieren, was mir schon öfter empfohlen wurde, wo ich jedoch noch nie war. Kein Wunder, denn man stolpert hier nicht so einfach drüber wie über andere Lokale. Man muß hier schon gezielt hinwollen, sonst findet man es nicht – es liegt irgendwo hinter den Mineralbädern. Es ist das „Tokio Dining“ und ich war ziemlich gespannt, was wir finden würden.

Tokio Dining Japanisches Restaurant in Stuttgart

Hat man es gefunden und betreten, fühlt man sich erst mal nicht wie in einem japanischen Lokal – man erwartet eher, daß Oma Erna gleich mit der Dröppelminna um die Ecke kommt und dazu ein Stück Streuselkuchen serviert.

Innenbereich Tokio Dining Stuttgart

Der Eindruck ist allerdings eher flüchtig. Eigentlich ist es dort nämlich ziemlich gemütlich; nur halt nicht so, wie man sich ein japanisches Restaurant vorstellt. Dafür ist es sehr leise: es lief nämlich ausnahmsweise überhaupt keine Hintergrundmusik, was ich persönlich sehr angenehm fand. Die Speisekarte ist sehr umfangreich und bietet von Sushi über Sashimi auch Onigiri, Ramen, Soba und allerlei sonstiges „typisch“ japanisches.

Bestellen kann man hier lustigerweise mittels einer Bestellkarte, wie man es öfter in asiatischen Ländern findet: auf einer Karte werden alle Gerichte inkl. Getränke geschrieben oder angekreuzt zum Bestellen. Es sollte also zumindest eine Person am Tisch leserlich schreiben können.
Wir entschieden uns für eines der gemischten Menüs mit Vorspeise, kleinen Hauptgerichten und einem Dessert und einmal für Kitsune Soba (auch mit Udon-Nudeln zu haben) mit einer Miso-Suppe vorher.

Die Miso-Suppe gefiel mit ausgesprochen gut, hier waren diesmal noch Sojasprossen mit drin. Das hatte ich bisher noch nicht, aber es passte hervorragend. Auch sonst war es eine rundherum solide Miso-Suppe. Das Menü hatte diese ebenfalls als Vorspeise dabei.

gemischte Sashimi im Tokio Dining in Stuttgart

Danach kam ein Teller gemischter Sashimi; alles sehr schön frisch und appetitlich angerichtet.

Hähnchen Yakitori Spieße im Tokio Dining in Stuttgart

Die Yakitori-Spieße kamen dann als nächstes zusammen mit meiner Schüssel Soba.

Kitsune Soba im Tokio Dining in Stuttgart

Und ich muß ehrlich sagen, ich habe selten eine so gute Soba-Brühe gehabt. Sie war schön leicht und nicht sehr salzig. Sie hatte eine leichte Süße durch Mirin und, wenn man so will, einen sehr „klaren“ Geschmack durch den Spinat und die Algen. Erfrischend und gleichzeitig wärmend, ohne schwer im Magen zu liegen. Also alles, was man von einer Schüssel Nudeln eigentlich erwartet.

Kistune Soba Tokio Dining Stuttgart

Die Soba waren leicht bissfest gegart. Es waren nicht die besten Soba meines Lebens, aber ganz weit oben auf der Skala. Man hat deutlich geschmeckt, daß es Soba-Nudeln waren, aber ich glaube nicht, daß sie selbst in-house gemacht wurden. Die Portion war übrigens ausreichend groß um satt zu werden.

Sesameis im Tokio Dining Stuttgart

Als Nachtisch zum Menü gab es eine Kugel Sesameis mit Früchten garniert. Das ist jetzt kein großes Kino, aber ein schöner und passender Abschluß. Das Eis war „normales“ Sesameis, solide, unspektakulär aber lecker.
Alles in allem war das ein Besuch, der unbedingt wiederholt gehört.

Tokio Dining Eingang zum Restaurant

Freundlicher Service und sehr gutes Essen, das lohnt tatsächlich die Anfahrt. Hier kommen authentische Küche, gute Qualität und faire Preise zusammen. Wenn man sicher gehen möchte, daß man einen Platz bekommt, sollte man allerdings besser reservieren, da das Lokal eher klein mit wenig Sitzplätzen ist.

Daher: ごちそうさまでした und Wirsing, Sususi

Buschenschank Bockmoar, Wildon

In der Steiermark kommt man an einem einfach nicht vorbei: dem Buschenschank. (für uns Süddeutsche: das ist ähnlich wie eine Besenwirtschaft). Das ist fast buchstäblich so, denn es gibt ungefähr 800 davon in der Steiermark, was bedeutet, daß auf rund 21 Quadratkilometer 1 Buschenschank kommt. Einer davon liegt eingebettet in die Weingärten am Bockberg in Wildon: der Buschenschank Bockmoar.

Buschenschank Bockmoar in Wildon

Wir sind bisher nur mit dem Auto dort hochgefahren, aber wer einer kleinen Wanderung nicht abgeneigt ist, kann dies ebenfalls tun. Da dies allerdings weithin bekannt ist, sollte man mit mehr als 2 Personen bitte eines tun: reservieren. Es ist dort am Wochenende und Abends insbesondere bei Schönwetter immer ziemlich gut besucht – was bei der schönen Aussicht auch absolut verständlich ist.

Blick vom Buschenschank Bockmoar auf Graz

Mitten zwischen den Rebstöcken hat man dann das, was einen klassischen Buschenschank ausmacht: guten Wein und eine einfache, aber gute Jause.

Sitzplatz zwischen Rebstöcken im Buschenschank Boackmoar

Hier bietet die Speisekarte die klassischen Brettljausen, die Aufstriche und Salate, die hausgemachten Säfte und Weine vom eigenen Weingut. Alles läuft in Selbstbedienung. Man bestellt, kann die Getränke gleich mitnehmen und bekommt einen dieser Piep-Dinger, die blinken und summen, wenn man das Essen holen kann. Abräumen muß man nicht selber, das wird dann übernommen.

Glas Gelber Muskateller im Buschenschank Bockmoar

Wir entschieden uns für die Hausplatte für 2 Personen, einen gespritzen Holundersaft und einen gelben Muskateller – eine meiner Lieblingsweinsorten. Dieser hier passte meiner Meinung nach sehr gut zu einem warmen Sommerabend und der herzhaften Jause. Leicht, trocken, etwas spritzig und leicht fruchtig. Wenn ihr dort oben seid, probiert ihn aus, er passt genau zu Ambiente und Essen.

Die Hausplatte kam mit ein paar Scheiben des selbstgebackenen Brotes vom Buschenschank und mit Fischkäseaufstrich, Kürbiskernaufstrich, Leberwurst und Verhackertem. Dazu verschiedene Käsescheiben, Brüstl, Schinken, rohen Schinken, Ei, Paprika, Gurke, Tomaten, Essiggürkchen, kleine Hauswürstelscheiben. Und einer großen Schale frisch geriebenen Kren (Meerrettich). Mehr als genug, um eine lange Zeit gemütlich vor sich hinzufuttern, die Aussicht zu genießen und langsam auf den Sonnenuntergang zu warten.

Hausplatte für 2 Personen im Buschenschank Bockmoar

Wenn man am richtigen Abend kommt, gibt es nach dem Sonnenuntergang sogar noch die Gelegenheit, einmal einen näheren Blick auf die Mondkrater oder auf Jupiter zu werfen – wenn Klaus Tschernitz am nächsten Sternenabend wieder sein Teleskop dort oben aufstellt. (Einfach ab und zu bei Hengist.at in den Veranstaltungen nachschauen).

Sonnenuntergang beim Buschenschank Boackmoar

Aber ob mit oder ohne Sternenabend – einen schönen Sommerabend kann man dort auf alle Fälle verbringen.

Bis dahin: Servus, pfiat di und baba.
Wirsing, Sususi

Brauhaus Eins, Stuttgart

In Stuttgart gibt es gut und gerne 10 Brauhäuser. Und in den meisten davon war ich schon. In einem jetzt allerdings das erste Mal: im Brauhaus Eins im Boschareal.

Brauhaus Eins in Stuttgart

Das war eigentlich mehr eine spontane Entscheidung, aber wie sich herausstellte, eine sehr gute. Man sitzt dort nämlich im Vergleich mit anderen Brauhäusern echt gut. Ja, es war voll, wahrscheinlich war wieder eine Vorstellung in der Liederhalle dran, aber zu zweit haben wir trotzdem gleich einen Platz bekommen. Und konnten uns dort noch gut unterhalten, denn trotz des vollen Hauses war die Akustik angenehm.

Brauhaus Eins Innenbereich

Die Speisekarte brachte mich persönlich etwas in Entscheidungsnot, denn es standen da so viele Sachen drauf, die ich gerne probiert hätte. Am Ende wurde es dann der Schwabenteller. Dieser ist sozusagen von allem ein Bisschen: Unter den Röstzwiebeln versteckt sich eine selbstgemachte Maultasche. Dazu gab es eine leckere Bratensauce, cremige Käsespätzle und Kartoffelsalat.

Schwabenteller im Brauhaus Eins Stuttgart

Das war eine perfekte Entscheidung! Nicht nur war die Maultasche selber gemacht, sie hatte auch einen tollen Geschmack und eine perfekte Konsistenz, sprich: nicht zu weich und nicht zu hart. Die Bratensauce hat gut dazu gepasst, und die Röstzwiebeln waren super knusprig und perfekt gewürzt. Die Käsespätzle waren super cremig und soooo lecker! Wenn die Portion nicht eh schon so groß gewesen wäre, hätte ich hier gerne mehr davon gehabt. Außerdem mußte ich diesmal nicht nachsalzen. Der Kartoffelsalat war gut, aber da hab ich ehrlich gesagt in Stuttgart auch nichts anderes erwartet.

Obwohl ich nach diesem Riesenteller schon ziemlich satt war, stand noch etwas auf der Speisekarte, an dem ich selten vorbei gehen kann: der Kaiserschmarrn. Er stand auf der Karte mit „+ Rosinen“, ich nehme an, wenn man diese möchte, muß man sie mitbestellen. Ist mir ehrlich gesagt erst später aufgefallen, Kaiserschmarrn ist nämlich das einzige Gericht, in dem Rosinen eine Daseinsberechtigung haben. Ich habe sie nicht extra mitbestellt, und so waren auch keine drin.

Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob der Kaiserschmarrn selbst gemacht war… es gab nichts, was auf das eine oder andere hingedeutet hätte. Es war halt ein normaler Kaiserschmarrn. Das Apfelmus dazu war gefühlt nicht selber gemacht, hat aber gut dazu gepasst. Man kann damit nichts falsch machen.

Für mich war das ein super Preis-Leistungs-Verhältnis und nicht nur auf Grund der Portionsgröße sehr stimmig. Wenn wir mal wieder in der Nähe sind, möchte ich auf alle Fälle noch viel mehr von der Speisekarte probieren, denn die klingt echt gut!

Bier haben wir hier allerdings keines probiert, das gebe ich zu, es stand jetzt nichts auf der Karte, was ich unbedingt hätte testen müssen und bei Bier bin ich eh heikel und mag nicht so allzuviel.

Also Prost und Wirsing; Sususi

Bei Francesco; Bad Liebenzell

Bad Liebenzell ist nicht gerade der Nabel der Welt – und dementsprechend auch kulinarisch eher überschaubar aufgestellt. In den letzten zehn Jahren habe ich hier einige Restaurants kommen und gehen sehen. Dass sich ein Italiener hält, überrascht da wenig: die italienische Küche gehört seit Jahren zu den absoluten Favoriten der Deutschen. In Bad Liebenzell heißt dieser jahrzehntelange Dauerbrenner: „Bei Francesco“

Allora, was soll ich sagen? Unsere Beziehung ist etwas kompliziert.

Tagliatelle Salmone im Bei Francesco in Bad Liebenzell

Betritt man das eher rustikale Lokal, trifft man auf eine Schar wuselnder italienischer Kellner, die versuchen, dem immer vollen Restaurant Herr zu werden. Das Francesco ist nämlich immer gut besucht – im Winter drinnen, im Sommer auch auf der überdachten Terrasse. Hat man einen Platz ergattert, wird man aber zügig bedient.
Der Wein ist hier preislich im oberen Segment, allerdings ohne das auch wirklich verdient zu haben…Trotzdem ist er gut eingeschenkt und landet auch schon mal einen Finger breit über dem Eichstrich.

Wein im Bei Francesco Bad Liebenzell

Ansonsten ist die Speisekarte eben typisch Italiener: Salate, Pizza, Pasta, Fleisch. Ein paar Vorspeisen, Dessert. Nicht aufregend, eigentlich was für jeden dabei. Oder?
Fangen wir mit dem Salat an. Eigentlich ist die Zusammenstellung ganz gut, die Portionen sind groß, das Dressing besteht aus Essig + Öl. Und das ist leider auch das Problem. Käme der Salat mit Essig und Öl zum selber mixen, dann wäre ich absolut zufrieden. So allerdings hatte ich den Eindruck, daß jemand beim Mischen der Essigessenz irgendwo einen Kommafehler gemacht hat. Und ich bin jemand, der Aperitiv-Essige trinkt! Das war zweimal so dermaßen sauer, daß ich den Salat nicht aufessen konnte, weil es mir sonst alles weggeäzt hätte. In Zukunft also lieber ohne mich.
Weiter zum Gemüse: hier waren meine Erfahrungen bisher fettig, fade (ohne Salz, Pfeffer, Geschmack, Gewürz…) oder mit mehr Biss als nötig gewesen wäre.
Verlässlich gut war bisher alles mit Fleisch. Pommes funktionieren auch.
Bei der Pizza ist der Teig geschmacklich echt gut, der Belag allerdings eher Convenience als Kochkunst und eher recht fettig. Dafür gut Käse drauf, und ja, schmeckt trotzdem, wenn auch keine italienische Offenbarung.

Die Pasta hier ist vom Gargrad eher in der weicheren Ecke, die Nudelsaucen sind sicher nicht unbedingt hausgemacht, aber bisher hatte ich nur welche, die mir geschmeckt haben.

Als Dessert hatte ich hier schon das Tiramisu, welches eigentlich nur aus getränkten Löffelbiskuits, Kakaopulver und viiiiel Sahne bestand, damit eigentlich nicht wirklich ein Tiramisu ist, aber trotzdem geschmeckt hat und eine durchaus großzügige Portion war.

Tiramisu im Bei Francesco in Bad Liebenzell

Alles in allem also ein Lokal, wo man nicht unbedingt hingeht zum Essen. Ja, aber warum geht man dann trotzdem immer wieder hin? Nun, manchmal braucht man eher einen Ort, wo man mit Freunden hingeht zum Quatschen und Tratschen, ein Gläschen Wein trinkt und gleichzeitig halt zufällig auch noch was essen kann. Und das geht hier ohne Probleme und auch noch bequem. Zudem wird man hier nicht mit Musik zugedudelt, sondern kann sich problemlos unterhalten.

Da unsere Beziehung also noch lange nicht beendet ist: arrivederci, a presto und Wirsing, Sususi

PS: Beim Heimgehen unbedingt ein Eis mitnehmen, ihnen gehört auch der Eissalon weiter unten an der Straße und das Eis ist echt zu empfehlen!

Frühlingsfest Lipizzanergestüt Piber

Mein Wissen über Pferde ist äußerst beschränkt. Ich weiß gerade noch, welches Ende vorne ist – und daß manche Pferde fünf Gänge haben. Das war es aber auch schon. Ich war nie das typische „mein erstes Pony“-Kind. Trotzdem fand ich mich letztes Wochenende beim Frühlingsfest des Lipizzanergestüts in Piber wieder!

Lipizzanergestüt Piber

Die meisten kennen Lipizzaner vermutlich als die eleganten weißen Pferde der Spanischen Hofreitschule in Wien. Was viele aber nicht wissen: diese berühmten Pferde kommen alle aus der Steiermark, genauer gesagt vom Gestüt Piber. Hier werden sie geboren, aufgezogen und dann zur Ausbildung als Kutsch-u. Reitpferde behalten, oder zur weiteren Ausbildung nach Wien geschickt.

Kutsche mit Lipizzanern auf Gestüt Piber

Das Frühlingsfest ist die perfekte Gelegenheit, um alles über die Aufzucht und den weiteren Lebensweg der traditionsreichen Pferde zu erfahren, die alle einer der 6 Hengstfamilien bzw. 17 Stutenfamilien entstammen.

Lipizzaner Deckhengst vom Gestüt Piper

So erfährt man hier auch folgenden Fun fact: die Pferde sind zwar im Erwachsenenalter (fast) alle Schimmel – als Fohlen jedoch nicht.

Junges Lipizzanerfohlen mit Mutter

Das liegt am sog. veränderlichen Grey-Gen, was dafür sorgt, daß sie braun, schwarz oder grau geboren werden. Mit jedem Fellwechsel werden sie immer heller und mit ca. 10 Jahren haben sie dann ihr typisch weißes Fell. Außerdem sind sie nicht besonders groß: ein Stockmaß von 153 cm bis 158 cm gilt als die perfekte Lipizzaner-Größe.

Lipizzanerfohlen auf der Weide

Die Ausbildung eines Lipizzaners hat es in sich – es dauert mehrere Jahre bis ein junger Hengst die berühmten Kapriolen springen kann. Da sollte man auch noch einen Besuch in Wien einplanen, um darüber mehr zu erfahren.

Reiter auf Lipizzanern vom Gestüt Piber

Am Frühlingsfest hat mit gefallen, daß die einzelnen Programmpunkte so über den Tag verteilt waren, daß man jeden interessanten Punkt sehen konnte und keinen Augenblick Langeweile hatte.

Programm vom Frühlingsfest auf Gestüt Piber

Dazu bekam man bei den einzelnen Punkten und im Museum so viele interessante Informationen, konnte Fragen stellen und hatte ausreichend Zeit, die Tiere zu beobachten und zu genießen.

Lipizzaner mit Fohlen auf der Weide

Auch die Geschichte des Gestüts selber ist interessant. Das Schloss selber entstammt diesmal nicht dem Hochadel sondern hat kirchliche Ursprünge und daher gibt es auch hier viel zu erfahren.

Lipizzaner im Laufstall

Ein Besuch lohnt sich also auch, wenn man bisher mit Pferden nicht so viel am Hut hatte.
Der einzige Tip, den man noch geben kann ist: geht nicht genau zur Mittagspause essen – außer, ihr bringt viel Geduld mit.

Und probiert unbedingt die Pferdeäpfel (findet es raus!)… Wirsing, Sususi

Sun Moon Tea Cafe, Stuttgart

Po`boy. Croque Monsieur. Chivito. Bánh mì. Überall auf der Welt hat sich die Idee vom belegten Brot – aka dem Sandwich – als schnelles, sättigendes Streetfoot etabliert. Im Grunde ist das Prinzip aber immer dasselbe: Brot + Belag = einfache, flexible Mahlzeit. Stuttgart hat das natürlich auch zu bieten. Speziell geht es heute um ein neues kleines vietnamesisches Café in der Nähe der Liederhalle im Untergrund des Bosch-Areals.

Sun Moon Tea Innenbereich

Dort hat das Sun Moon Tea Cafe eröffnet, welches sich von den klassischen Kuchen-u. Cappuccino-Cafés unterscheidet: statt dessen gibt es hier vietnamesischen Kaffee, Bubble Tea und Matcha Latte. Dazu Reisnudelgerichte oder eben: Banh mi.

Sun Moon Tea Cafe im Bosch Areal in Stuttgart

Und da wir zu der Kategorie von Leuten gehören, die auch mal Abwechslung vom ewigen Burger-Pommes-Döner wollten und gerade eh in der Nähe waren, haben wir das natürlich ausprobiert. Theoretisch hätten wir auch im Cafe essen können, es gibt innen ein paar schnuckelige Sitzplätze. Draußen vor dem Cafe könnte man auch sitzen, aber das Problem ist hier eher die Lage selbst – nämlich das Untergeschoss des Bosch-Areals. Das es dort so nach Piss.., ähm, unangenehm äh riecht, dafür kann der Laden ja nichts. Aber angenehm finde ich das nicht, und daher haben wir uns fürs Mitnehmen entschieden. Wir haben uns zwei Bánh mì bestellt, einen Matcha Latte und einen Mango-Matcha-Latte (zusätzlich mit Mangosirup).

Matcha Latte Sun Moon Tea

Alles wurde frisch nach Bestellung zubereitet und, wie in vielen asiatischen Gegenden üblich, praktisch im Beutel verpackt – nicht unbedingt umweltfreundich, aber funktional um alles zusammen heil nach Hause zu bekommen.

Wer Bánh mì nicht kennt: es handelt sich um eine Art längliches Brötchen mit Füllung aus Pate, Fleisch, Tofu, diversen Gemüsen eingelegter und nicht eingelegter Art, Koriander, eventuell Mayo und/oder Sriracha. Da es davon aber so viele Varianten gibt wie bei uns vom „belegten Brot“, kann die Füllung stark variieren. Hier bestand sie klassisch aus Pate, mariniertem Schweinefleisch, eingelegtem Gemüse (Rettich und Möhre), Gurke, Koriander, ganz wenig Sriracha. Eine Variante mit Hähnchen hätte man auch bestellen können. Entscheidend für ein gutes Bánh mì ist aber das Brot. Hier findet man schon mal Baguettes, Semmelartiges oder, auch schon gesehen: Bánh mì auf Ciabatta. Ein richtiges Brot für Bánh mì ist aber etwas Besonderes. Baguette z.B. ist außen knusprig, aber gleichzeitig etwas zäh. Eine alte Semmel ist außen bröselig, aber gleichzeitig knusprig. Bánh mì ist außen glatt splittrig und knusprig, aber ohne zäh oder bröselig zu sein. Innen hingegen ist es eher fluffig. Das wird durch den Zusatz von Reismehl im Teig erreicht. Also so, daß die Füllung saftig sein kann, ohne daß die Kruste von innen nach außen durchweicht.

Und genau so ein Bánh mì gab es im Sun Moon Tea Cafe! Daheim haben wir die Bánh mì erst mal einer optischen Prüfung unterzogen – und das sah schon sehr gut aus.

Banh mi vom Sun Moon Tea Cafe in Stuttgart

Es roch richtig lecker und der erste Biss hat es dann auch bestätigt! Fleisch war zart, Gemüse war knackig, Brot perfekt. Und die Größe war für mich ebenfalls super, danach war man satt und zufrieden, ohne zu voll zu sein. Der Matcha Latte war auch sehr gut, entgegen meiner Befürchtung nicht zu süß. Für mich war hier die Kombination aus Geschmack, Portion und Preis sehr stimmig. Es ist eine schöne Ergänzung in der Stuttgarter Streetfood-Kategorie, die gut erreichbar ist und die man definitiv ausprobieren sollte. Insbesondere, wenn der Matcha Latte hier nur 5,90 kostet und das Bánh mì um die 6 – 7 Euro!

Also, Ăn ngon miệng nhé und Wirsing, Sususi
PS: falls da jetzt nicht steht: Guten Appetit, mein Vietnamesisch beschränkt sich nun wirklich aufs Essen!

„BlockHouse“, Stuttgart

Ich liebe Steak! Am besten so blutig wie möglich. Und ich habe in meinem Leben schon jede Menge davon gegessen. Mal bessere, mal schlechtere und ein paar Mal wirklich außergewöhnlich gute. Wenn also jemand als Abendessen ein Steakhouse vorschlägt, bin ich dabei.

Deshalb war ich auch mit dabei, als wir in Stuttgart im „BlockHouse“ in der Königsstraße waren. Warum sage ich das dazu? BlockHouse ist eine Kette von Restaurants, also kann ich in diesem Fall nur für diese Filiale sprechen. Vielleicht ist es in einer der restlichen 66 Filialen ja anders.

BlockHouse in der Königsstraße Stuttgart

Was aber sicher gleich ist, ist die Speisekarte. Und schon da finde ich eine Sache nicht so prickelnd: Steaks gibt es nicht einzeln. Also ich kann nicht einfach ein Steak bestellen und sonst nix. Man wird quasi gezwungen, den Salat, die Baked Potato, die Sourcream und die Scheibe Knoblauchbrot mit dazu zu nehmen.

Baked Potato mit SourCream, Meerrettich und Knoblauchbrot

Klar, man kann extra Beilagen bestellen. Man kann auch extra Salat bestellen. Oder Saucen. Man kann auch sagen, das ganze drumherum bitte weglassen. Nur: der Steakpreis ist sozusagen der Komplettpreis. Lasse ich hier die Baked Potato, den Salat und das Brot weg und nehme z.B. Grillgemüse dazu, zahle ich den Komplettpreis + das Grillgemüse extra. Ganz ok finde ich, daß man den Salat weglassen kann, und dann für 3 Euro Aufpreis eine der Vorspeisen bestellen kann. Auf der anderen Seite ist das aber doof, wenn ich halt wirklich Steak essen gehen will.

Eingang vom BlockHouse in der Königsstraße in Stuttgart

Gut, wir wurden gesessen und dann auch irgendwann bedient.

Jetzt kommt der zweite Punkt. Ich bestellte als Vorspeise eine Bull Soup, dann ein Mr. Rumpsteak. Dann wollte die Bedienung sich schon meinem Freund zuwenden. Ich bestellte einfach weiter, denn ich wollte das Steak ohne Kartoffel, Brot und Sourcream, sondern mit Steakbutter. Ok, hat sie auch noch aufgeschrieben, dann noch nach dem Dressing für den Salat gefragt (American, French und Italian) und dann wollte sie schon wieder bei meinem Freund weiter machen. (no pun intended…) Keine Abfrage des Gargrades? Ich bestellte halt einfach weiter, ich wollte es nämlich rare haben. Das hat mich etwas irritiert. Ganz viele Restaurants, die Steak servieren, treffen den gewünschten Gargrad halt mal nicht punktgenau, damit kann ich leben, solange er nicht total daneben ist. Aber bisher bin ich immer gefragt worden, wie ich das Steak gerne hätte.

BlockHouse Beilagen-Salat mit American Dressing

Der Salat kam, da kann man nicht meckern, der war ok. Die BullSoup war auch gar nicht schlecht, heiß, gute Portion, geschmacklich auch gut, aber nichts Besonderes.

Bull Soup im BlockHouse Stuttgart
Bull Soup Einlage im BlockHouse Stuttgart

Das Steak kam.

Mr. Rumpsteak im BlockHouse Stuttgart

Meine Steakbutter nicht. Sie brauchte Nachfragen beim Kellner und dann noch mal 5 Minuten. Das Steak war vom Gargrad her allerdings sehr gut getroffen.

Rumpsteak Rare im BlockHouse Stuttgart

Nur: die Qualität des Fleisches war… meh. Das Fleisch selber war nicht besonders geschmackvoll. Ja, man macht die Augen zu und weiß, man isst Fleisch. Damit endet es aber auch schon. Tut mir leid, aber da war nicht viel Eigengeschmack da. Die Steakbutter war dann, als sie kam ok, aber auch kein Wow-Effekt. Und das schlimmste: hier war ein wirklich großes Stück Steak so voller Sehnen, daß man es nicht essen konnte. Auch nicht schneiden. Oder sonst was tun. Also wirklich kein Fett (das mag ich) sondern unkaubare, unschneidbare Sehnen. Und bei dem Preis ist das wirklich viel, was da weg musste. Das war nicht toll!

Sehnen im Rumpsteak im BlockHouse Stuttgart

Das lässt auf Folgendes schließen: erstens war das Fleisch wahrscheinlich nicht besonders lange gereift, ich gehe hier von max. 3 Tagen aus. Das könnte das flache Aroma erklären. Und zweitens handelt es sich vermutlich um einen sehr schlechten Cut, vermutlich ein günstiger Mischzuschnitt garantiert nicht aus dem Mittelstück.
Schade fand ich auch, daß hier zusätzlich zum Salz nur hauseigener Steakpfeffer und kein normaler Pfeffer zur Verfügung stand. Das ist natürlich Geschmackssache.

Steakpfeffer vom BlockHouse

Alles in allem: kann man zum schnellen Mittagessen machen. Muß man aber nicht und gerade in Stuttgart braucht man eigentlich nur ein paar Schritte weiter gehen und findet sehr viel bessere Steaks, auch welche, die sich preislich nichts nehmen. Abacco´s z.B. hat für ca. 26 Euro 200 g Rumpsteak und das von sehr viel besserer Qualität als hier. Vielleicht noch irgendwann eine andere Filiale ausprobieren, einfach um den Service und die Fleischqualität zu vergleichen, ansonsten ist das für mich ein Restaurant, in das ich nicht mehr gehen brauche.

Bis dahin: Wirsing, Sususi

Veda, Bad Liebenzell

Ich glaube, ich hatte es schon einmal erwähnt: mein Lieblingsinder befindet sich in Bad Liebenzell. Nämlich das „Veda“. Und ich kenne das Restaurant schon, seit sie vor 9 Jahren dort aufgemacht haben. Was heißt: nächstes Jahr haben sie 10-jähriges Jubiläum und wir hoffen, daß der Betrieb nicht nur bis dahin sondern auch weit darüber hinaus erhalten bleibt.

Indisches Retaurant "Veda"

Warum ist es nun mein absoluter Lieblings-Inder zwischen Bad Liebenzell und Graz? Einfach, das Essen ist jedes Mal sehr gut. Seit 9 Jahren. Liegt zum einen daran, daß das „Veda“ ein absoluter Familienbetrieb ist und deshalb schon seit Jahren immer der selbe Koch hinter den leckeren Sachen steckt und zum anderen daran, daß man hier wirklich mit Leib und Seele hinter dem Restaurant und der verkauften Qualität steht. Das merkt man nicht nur am netten Umgang sondern auch an den Speisen selbst.

Schild

Schauen wir doch einmal ein wenig näher hin. Die Familie stammt aus Nordindien und damit aus einer Region, die gerne cremige Curries, Paneer und Joghurt isst, ebenso gerne wie Fleischgerichte und Tandoori-Gerichte. Sie ist normalerweise weniger scharf als die Südindische Variante. Das spiegelt sich hier auch in der Karte wieder. Nichtsdestotrotz findet man auch hier vegetarische Gerichte. Auf der Wochenkarte gibt es jeweils zwei Gerichte zur Auswahl, von denen eines mindestens vegetarisch ist, oft auch vegan. Die normalen Gerichte der Karte können auf Wunsch auch veganisiert werden.

Innen

Bei den Currys hier ist es so, daß man sich zuerst das Fleisch (also die Hauptzutat) raussucht, und danach noch die Sauce, die man gerne hätte. Man kann also Hähnchen bestellen mit Khorma. Oder lieber doch Garnelen mit Butter-Currysauce? Bei 4 Hauptzutaten und 7 Saucen sollte eigentlich jeder fündig werden. Biryanis, Tikka Masalas und Vegetarische Gerichte sind ebenfalls ausreichend vorhanden. Vorspeisen, Suppen, Salate und Desserts bieten eigentlich mehr, als man essen kann, aber genau so viel, wie man gerne essen möchte…

Essen

Wie gesagt, wir sind in Nordindien unterwegs, also ist die Frage, ob man das Gericht scharf möchte, ohne weiteres ungefährlich mit „ja“ zu beantworten. Mehr als pikant wird es trotzdem nicht, aber man bekommt dann ein Döschen Chilipulver zum selber nachwürzen.

Der Reis ist fluffig und als Beilage zum Essen perfekt gekocht.

Reis

Hier merkt man, daß man als Gast geschätzt wird. Die Portionen sind groß, aber man hat hier nie das Gefühl, daß einem die Speisen schwer im Magen lägen – nein, man fühlt sich nach dem Essen einfach nur sehr zufrieden. Gesättigt, aber nicht voll. Einfach glücklich. Deshalb gehe ich dort so gerne essen, denn das Rundum-Paket ist einfach unschlagbar und ich lege das Restaurant wirklich jedem ans Herz, der sich in der Gegend aufhält.

Namaste und Wirsing,
Sususi

P.S.: Wenn sich jetzt jemand über die fehlende Farbe im Mango-Lassi aufregt oder am Tandoori-Chicken – hier wird eben keine Lebensmittelfarbe ist Essen gekippt, indisch typisch hin oder her. Gefällt mir, denn hier sind die Lebensmittel frisch, ohne zusätzliche Geschmacksverstärker und die Qualität stimmt einfach.
P.P.S.: Das Restaurant hat übrigens sogar einen eigenen Tandoor-Ofen!

Gasthof „Zum Baum“, Weil der Stadt

Bei unserem letzten Besuch im „Ländle“ hatten wir das Glück, daß unser Stamm-Gasthof auf dem Weg Betriebsurlaub hatte. Also suchten wir nach einer Alternative und wurden in Weil der Stadt fündig. Wir fanden nämlich den Baum, genauer gesagt den Gasthof „Zum Baum“. Daß es hier kein Außenfoto gibt, liegt an der einfachen Tatsache, daß sich meine Synapsen nach dem Essen im gemeinschaftlichen Food-Koma verzückt zuckend auf dem Boden meines Gehirns wälzten und an nichts mehr denken konnten!

Eher am Stadtrand gelegen, ein wenig in einer Seitenstraße versteckt und daher ohne viel Durchgangsverkehr, sitzt man in dem kleinen Außengarten von einer Kastanie beschattet durchaus gemütlich, es gibt nämlich Sitzkissen für den empfindlichen Po. Drinnen ist es ein typisch rustikales Gasthaus, aber bei den Temperaturen war uns außen lieber.

Gastgarten

Ein Blick auf die Speisekarte lässt das Herz jeden Freundes der schwäbischen Küche ein wenig schneller schlagen; die Auswahl ist typisch und sozusagen für äll ebbes.

Karte Auszug

Schön ist, daß die Portionen in „klein“ und „groß“ zu haben sind. (Wobei das in Baden-Württemberg eher auf dem Papier so ist, denn die Portionen bewegen sich normalerweise zwischen riesig und noch riesiger). Bei mir fiel die Auswahl auf eine kleine (!) Portion Heckengäulinsen* mit ger. Bauch, Saiten und Spätzle. Für 10,50 € möchte ich hinzufügen, die anderen Preise sind ebenfalls für die heutige Zeit äußerst moderat.
Wie man sieht, ist die kleine Protion ganz schön groß!

Heckengäulinsen

Als Beilage gab es einen kleinen Salat, der für mich schon die erste positive Überraschung war, die Salate waren nämlich selber alle separat angemacht und hatten alle einen sehr guten Geschmack. Insbesondere der Karottensalat, der eine Spur Curry und Orangesaft enthielt.

Beilagensalat

Die Linsen, die waren einfach nur perfekt. Sie hatten einen ganz leichten Biss, waren sehr gut abgeschmeckt und hatten das perfekte Linsen-zu-Sauce-Verhältnis. Der Bauch war würzig und zart, die Saiten mit dem typischen „Snap“ ebenfalls ein Genuß. Wenn man auf gaaaaanz hohem Niveau jammern möchte, hätte es für mich noch ein kleiner Schuß Essig sein dürfen. Aber eben nicht müssen. Die Spätzle waren hier sehr dünn, geschmacklich aber einwandfrei.

Spätzle

Wie in Baden-Württemberg öfter üblich, bekamen wir eine Schale Spätzle für den ganzen Tisch, als Beilage einmal zu den Linsen und einmal zu den Schweinelendchen.

Schweinelendchen

Die Sauce hier war sehr gut abgeschmeckt, das Fleisch hätte meiner Begleitung gerne noch zarter sein können.
Alles in allem ein sehr schmackhafter Abend!

Bedient wurden wir sehr freundlich und schnell, und deshalb kommen wir auch gerne wieder einmal vorbei, wenn wir in der Gegend sind. Um die anderen verlockenden Sachen auf der Karte auszuprobieren.
Man kann dort wohl auch übernachten, das haben wir aber noch nicht ausprobiert.

Also, hauad nei und Wirsing,
Sususi

*Heckengäulinsen: Das Heckengäu ist eine Landschaft geprägt durch Jurakalkböden, also eher nährstoffarm, kalkhaltig und trocken. Das ist ideal für den Anbau von Linsen, die in den 50ern komplett von den Äckern im Heckengäu verschwanden und seit einigen Jahren ein ordentliches Revival erleben. Wenn es auch keine „echten“ Le Puy Linsen sind (der Name ist geschützt…) stammen die meisten Heckengäulinsen aus Saatgut eben dieser Linse.

Zum glücklichen Matthias (Wyk)

Letzten Sommer waren wir im Urlaub endlich wieder in Wyk auf Föhr. Die Insel kenne ich seit grob 40 Jahren…. und die meisten Lokale dort auch. Ein paar haben sich verändert, andere… nicht. Oder nicht viel. Eines der Restaurants, in dem man seit Jahrzehnten wirklich gut essen gehen kann, ist „Zum glücklichen Matthias“.
Zum glücklichen Matthias

2023 hat der Chef von dort auch noch ein weiteres Restaurant auf Föhr übernommen, ebenfalls ein altes Traditionslokal, nämlich „Bi de Pump“. Dort waren wir aber dieses Mal nicht.
Landkarte

Wir waren im „Matthias“, und wer dort hin möchte, der sollte unbedingt (unbedingt, unbedingt) reservieren. Ein paar Tage im Vorraus. Wenn ihr euch auch noch die Uhrzeit raussuchen wollt, ein paar Wochen im Vorraus. Es ist dort nämlich voll (zumindest in der Hauptsaison), und es gibt nicht viel Platz. Drinnen erwartet einen ein sehr interessanter Mix aus allen möglichen maritimen Deko-Stücken… Schiffe, Anker, Glocken, Landkarten, Leuchten etc. Lasst euch überraschen, man hat viel zu gucken, bis das Essen kommt.

Die Karte ist klein, aber fein, mit ein wenig Fleisch und vor allem frischem Fisch! Wir entschieden uns einmal für die Matjesfilets mit Apfel-Zwiebelsoße und Bratkartoffeln.
Matjesfilet

Das war lecker, aber für mich gab es hier eigentlich gar keine Auswahl – „Zum glücklichen Matthias“ hat nicht nur gerüchteweise sondern tatsächlich das beste Labskaus der Insel“ In „lütt“ (absolut ausreichend für mich) oder „grot“.
Labskaus
Wie man sehen kann, ist der Labskaus* hier eher von der weniger stückigen Sorte, aber nicht so fein, daß nur noch Brei übrig ist. Geschmacklich ist er hier perfekt abgeschmeckt – nicht zu salzig, nicht zu fest, nicht zu flüssig, die rote Beete kommt schön raus, die Kartoffeln auch, das gepökelte Fleisch schmeckt man auch noch, pikant abgeschmeckt. Alles eine runde Sache und der Hering, das gut gebratene Spiegelei und die rote Beete dazu – einfach mega! Die Sprossen hätte ich nicht gebraucht, gestört haben sie aber auch nicht. Es gibt auf der Insel noch mehrere Lokale, die Labskaus servieren, mal etwas rustikaler, mal etwas feiner, aber das hier ist mein absoluter Favorit!

Als Nachtisch gab es für uns dann noch einen Föhrer Manhatten (die Kirsche hat es leider nicht mehr aufs Bild geschafft), das ist sozusagen das Nationalgetränk von Föhr; Whiskey mit Wermut, und ist eigentlich einen eigenen Beitrag Wert, nicht nur, weil Föhr jetzt auch eine Whiskeybrennerei hat. Schmeckt jedenfalls und ist ein schöner Abschluss für ein gutes Essen in Wyk, also unbedingt probieren.
Föhrer Manhatten

Wenn ich wieder in Wyk bin – ein Besuch bei Matthias sollte auf alle Fälle drin sein! Zum Service im Lokal – zu uns waren sie immer freundlich. Friesisch, aber freundlich. Sie verzweifeln aber schon ein wenig, wenn Touristen nicht verstehen wollen, daß eben genau jetzt ohne Reservierung kein Platz mehr ist, aber sie verzweifeln freundlich und mir würde es da ehrlich gesagt nicht anders gehen…

Adjis und Wirsing,
Sususi

*Labskaus: ein Gericht, das aus Pökelfleisch, Kartoffeln, Zwiebeln, Roter Beete, Matjes und Gewürzgurken besteht. Meist wird ein Spiegelei dazu serviert. Ob und in welchen Mengenanteilen die Zutaten gestampft werden (und zu welcher Konsistenz) ist abhängig vom jeweiligen Koch…. meistens ist der Matjes nicht mitvermengt sondern als Beilage dabei. Es ist gar nicht so schwer zu machen, man kann als Fleisch z.b. auch Corned Beef verwenden. Und es schmeckt tausend mal besser, als es aussieht.