Archiv für den Monat Mai 2026

Brauhaus Eins, Stuttgart

In Stuttgart gibt es gut und gerne 10 Brauhäuser. Und in den meisten davon war ich schon. In einem jetzt allerdings das erste Mal: im Brauhaus Eins im Boschareal.

Brauhaus Eins in Stuttgart

Das war eigentlich mehr eine spontane Entscheidung, aber wie sich herausstellte, eine sehr gute. Man sitzt dort nämlich im Vergleich mit anderen Brauhäusern echt gut. Ja, es war voll, wahrscheinlich war wieder eine Vorstellung in der Liederhalle dran, aber zu zweit haben wir trotzdem gleich einen Platz bekommen. Und konnten uns dort noch gut unterhalten, denn trotz des vollen Hauses war die Akustik angenehm.

Brauhaus Eins Innenbereich

Die Speisekarte brachte mich persönlich etwas in Entscheidungsnot, denn es standen da so viele Sachen drauf, die ich gerne probiert hätte. Am Ende wurde es dann der Schwabenteller. Dieser ist sozusagen von allem ein Bisschen: Unter den Röstzwiebeln versteckt sich eine selbstgemachte Maultasche. Dazu gab es eine leckere Bratensauce, cremige Käsespätzle und Kartoffelsalat.

Schwabenteller im Brauhaus Eins Stuttgart

Das war eine perfekte Entscheidung! Nicht nur war die Maultasche selber gemacht, sie hatte auch einen tollen Geschmack und eine perfekte Konsistenz, sprich: nicht zu weich und nicht zu hart. Die Bratensauce hat gut dazu gepasst, und die Röstzwiebeln waren super knusprig und perfekt gewürzt. Die Käsespätzle waren super cremig und soooo lecker! Wenn die Portion nicht eh schon so groß gewesen wäre, hätte ich hier gerne mehr davon gehabt. Außerdem mußte ich diesmal nicht nachsalzen. Der Kartoffelsalat war gut, aber da hab ich ehrlich gesagt in Stuttgart auch nichts anderes erwartet.

Obwohl ich nach diesem Riesenteller schon ziemlich satt war, stand noch etwas auf der Speisekarte, an dem ich selten vorbei gehen kann: der Kaiserschmarrn. Er stand auf der Karte mit „+ Rosinen“, ich nehme an, wenn man diese möchte, muß man sie mitbestellen. Ist mir ehrlich gesagt erst später aufgefallen, Kaiserschmarrn ist nämlich das einzige Gericht, in dem Rosinen eine Daseinsberechtigung haben. Ich habe sie nicht extra mitbestellt, und so waren auch keine drin.

Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob der Kaiserschmarrn selbst gemacht war… es gab nichts, was auf das eine oder andere hingedeutet hätte. Es war halt ein normaler Kaiserschmarrn. Das Apfelmus dazu war gefühlt nicht selber gemacht, hat aber gut dazu gepasst. Man kann damit nichts falsch machen.

Für mich war das ein super Preis-Leistungs-Verhältnis und nicht nur auf Grund der Portionsgröße sehr stimmig. Wenn wir mal wieder in der Nähe sind, möchte ich auf alle Fälle noch viel mehr von der Speisekarte probieren, denn die klingt echt gut!

Bier haben wir hier allerdings keines probiert, das gebe ich zu, es stand jetzt nichts auf der Karte, was ich unbedingt hätte testen müssen und bei Bier bin ich eh heikel und mag nicht so allzuviel.

Also Prost und Wirsing; Sususi

Bei Francesco; Bad Liebenzell

Bad Liebenzell ist nicht gerade der Nabel der Welt – und dementsprechend auch kulinarisch eher überschaubar aufgestellt. In den letzten zehn Jahren habe ich hier einige Restaurants kommen und gehen sehen. Dass sich ein Italiener hält, überrascht da wenig: die italienische Küche gehört seit Jahren zu den absoluten Favoriten der Deutschen. In Bad Liebenzell heißt dieser jahrzehntelange Dauerbrenner: „Bei Francesco“

Allora, was soll ich sagen? Unsere Beziehung ist etwas kompliziert.

Tagliatelle Salmone im Bei Francesco in Bad Liebenzell

Betritt man das eher rustikale Lokal, trifft man auf eine Schar wuselnder italienischer Kellner, die versuchen, dem immer vollen Restaurant Herr zu werden. Das Francesco ist nämlich immer gut besucht – im Winter drinnen, im Sommer auch auf der überdachten Terrasse. Hat man einen Platz ergattert, wird man aber zügig bedient.
Der Wein ist hier preislich im oberen Segment, allerdings ohne das auch wirklich verdient zu haben…Trotzdem ist er gut eingeschenkt und landet auch schon mal einen Finger breit über dem Eichstrich.

Wein im Bei Francesco Bad Liebenzell

Ansonsten ist die Speisekarte eben typisch Italiener: Salate, Pizza, Pasta, Fleisch. Ein paar Vorspeisen, Dessert. Nicht aufregend, eigentlich was für jeden dabei. Oder?
Fangen wir mit dem Salat an. Eigentlich ist die Zusammenstellung ganz gut, die Portionen sind groß, das Dressing besteht aus Essig + Öl. Und das ist leider auch das Problem. Käme der Salat mit Essig und Öl zum selber mixen, dann wäre ich absolut zufrieden. So allerdings hatte ich den Eindruck, daß jemand beim Mischen der Essigessenz irgendwo einen Kommafehler gemacht hat. Und ich bin jemand, der Aperitiv-Essige trinkt! Das war zweimal so dermaßen sauer, daß ich den Salat nicht aufessen konnte, weil es mir sonst alles weggeäzt hätte. In Zukunft also lieber ohne mich.
Weiter zum Gemüse: hier waren meine Erfahrungen bisher fettig, fade (ohne Salz, Pfeffer, Geschmack, Gewürz…) oder mit mehr Biss als nötig gewesen wäre.
Verlässlich gut war bisher alles mit Fleisch. Pommes funktionieren auch.
Bei der Pizza ist der Teig geschmacklich echt gut, der Belag allerdings eher Convenience als Kochkunst und eher recht fettig. Dafür gut Käse drauf, und ja, schmeckt trotzdem, wenn auch keine italienische Offenbarung.

Die Pasta hier ist vom Gargrad eher in der weicheren Ecke, die Nudelsaucen sind sicher nicht unbedingt hausgemacht, aber bisher hatte ich nur welche, die mir geschmeckt haben.

Als Dessert hatte ich hier schon das Tiramisu, welches eigentlich nur aus getränkten Löffelbiskuits, Kakaopulver und viiiiel Sahne bestand, damit eigentlich nicht wirklich ein Tiramisu ist, aber trotzdem geschmeckt hat und eine durchaus großzügige Portion war.

Tiramisu im Bei Francesco in Bad Liebenzell

Alles in allem also ein Lokal, wo man nicht unbedingt hingeht zum Essen. Ja, aber warum geht man dann trotzdem immer wieder hin? Nun, manchmal braucht man eher einen Ort, wo man mit Freunden hingeht zum Quatschen und Tratschen, ein Gläschen Wein trinkt und gleichzeitig halt zufällig auch noch was essen kann. Und das geht hier ohne Probleme und auch noch bequem. Zudem wird man hier nicht mit Musik zugedudelt, sondern kann sich problemlos unterhalten.

Da unsere Beziehung also noch lange nicht beendet ist: arrivederci, a presto und Wirsing, Sususi

PS: Beim Heimgehen unbedingt ein Eis mitnehmen, ihnen gehört auch der Eissalon weiter unten an der Straße und das Eis ist echt zu empfehlen!

Frühlingsfest Lipizzanergestüt Piber

Mein Wissen über Pferde ist äußerst beschränkt. Ich weiß gerade noch, welches Ende vorne ist – und daß manche Pferde fünf Gänge haben. Das war es aber auch schon. Ich war nie das typische „mein erstes Pony“-Kind. Trotzdem fand ich mich letztes Wochenende beim Frühlingsfest des Lipizzanergestüts in Piber wieder!

Lipizzanergestüt Piber

Die meisten kennen Lipizzaner vermutlich als die eleganten weißen Pferde der Spanischen Hofreitschule in Wien. Was viele aber nicht wissen: diese berühmten Pferde kommen alle aus der Steiermark, genauer gesagt vom Gestüt Piber. Hier werden sie geboren, aufgezogen und dann zur Ausbildung als Kutsch-u. Reitpferde behalten, oder zur weiteren Ausbildung nach Wien geschickt.

Kutsche mit Lipizzanern auf Gestüt Piber

Das Frühlingsfest ist die perfekte Gelegenheit, um alles über die Aufzucht und den weiteren Lebensweg der traditionsreichen Pferde zu erfahren, die alle einer der 6 Hengstfamilien bzw. 17 Stutenfamilien entstammen.

Lipizzaner Deckhengst vom Gestüt Piper

So erfährt man hier auch folgenden Fun fact: die Pferde sind zwar im Erwachsenenalter (fast) alle Schimmel – als Fohlen jedoch nicht.

Junges Lipizzanerfohlen mit Mutter

Das liegt am sog. veränderlichen Grey-Gen, was dafür sorgt, daß sie braun, schwarz oder grau geboren werden. Mit jedem Fellwechsel werden sie immer heller und mit ca. 10 Jahren haben sie dann ihr typisch weißes Fell. Außerdem sind sie nicht besonders groß: ein Stockmaß von 153 cm bis 158 cm gilt als die perfekte Lipizzaner-Größe.

Lipizzanerfohlen auf der Weide

Die Ausbildung eines Lipizzaners hat es in sich – es dauert mehrere Jahre bis ein junger Hengst die berühmten Kapriolen springen kann. Da sollte man auch noch einen Besuch in Wien einplanen, um darüber mehr zu erfahren.

Reiter auf Lipizzanern vom Gestüt Piber

Am Frühlingsfest hat mit gefallen, daß die einzelnen Programmpunkte so über den Tag verteilt waren, daß man jeden interessanten Punkt sehen konnte und keinen Augenblick Langeweile hatte.

Programm vom Frühlingsfest auf Gestüt Piber

Dazu bekam man bei den einzelnen Punkten und im Museum so viele interessante Informationen, konnte Fragen stellen und hatte ausreichend Zeit, die Tiere zu beobachten und zu genießen.

Lipizzaner mit Fohlen auf der Weide

Auch die Geschichte des Gestüts selber ist interessant. Das Schloss selber entstammt diesmal nicht dem Hochadel sondern hat kirchliche Ursprünge und daher gibt es auch hier viel zu erfahren.

Lipizzaner im Laufstall

Ein Besuch lohnt sich also auch, wenn man bisher mit Pferden nicht so viel am Hut hatte.
Der einzige Tip, den man noch geben kann ist: geht nicht genau zur Mittagspause essen – außer, ihr bringt viel Geduld mit.

Und probiert unbedingt die Pferdeäpfel (findet es raus!)… Wirsing, Sususi

Sun Moon Tea Cafe, Stuttgart

Po`boy. Croque Monsieur. Chivito. Bánh mì. Überall auf der Welt hat sich die Idee vom belegten Brot – aka dem Sandwich – als schnelles, sättigendes Streetfoot etabliert. Im Grunde ist das Prinzip aber immer dasselbe: Brot + Belag = einfache, flexible Mahlzeit. Stuttgart hat das natürlich auch zu bieten. Speziell geht es heute um ein neues kleines vietnamesisches Café in der Nähe der Liederhalle im Untergrund des Bosch-Areals.

Sun Moon Tea Innenbereich

Dort hat das Sun Moon Tea Cafe eröffnet, welches sich von den klassischen Kuchen-u. Cappuccino-Cafés unterscheidet: statt dessen gibt es hier vietnamesischen Kaffee, Bubble Tea und Matcha Latte. Dazu Reisnudelgerichte oder eben: Banh mi.

Sun Moon Tea Cafe im Bosch Areal in Stuttgart

Und da wir zu der Kategorie von Leuten gehören, die auch mal Abwechslung vom ewigen Burger-Pommes-Döner wollten und gerade eh in der Nähe waren, haben wir das natürlich ausprobiert. Theoretisch hätten wir auch im Cafe essen können, es gibt innen ein paar schnuckelige Sitzplätze. Draußen vor dem Cafe könnte man auch sitzen, aber das Problem ist hier eher die Lage selbst – nämlich das Untergeschoss des Bosch-Areals. Das es dort so nach Piss.., ähm, unangenehm äh riecht, dafür kann der Laden ja nichts. Aber angenehm finde ich das nicht, und daher haben wir uns fürs Mitnehmen entschieden. Wir haben uns zwei Bánh mì bestellt, einen Matcha Latte und einen Mango-Matcha-Latte (zusätzlich mit Mangosirup).

Matcha Latte Sun Moon Tea

Alles wurde frisch nach Bestellung zubereitet und, wie in vielen asiatischen Gegenden üblich, praktisch im Beutel verpackt – nicht unbedingt umweltfreundich, aber funktional um alles zusammen heil nach Hause zu bekommen.

Wer Bánh mì nicht kennt: es handelt sich um eine Art längliches Brötchen mit Füllung aus Pate, Fleisch, Tofu, diversen Gemüsen eingelegter und nicht eingelegter Art, Koriander, eventuell Mayo und/oder Sriracha. Da es davon aber so viele Varianten gibt wie bei uns vom „belegten Brot“, kann die Füllung stark variieren. Hier bestand sie klassisch aus Pate, mariniertem Schweinefleisch, eingelegtem Gemüse (Rettich und Möhre), Gurke, Koriander, ganz wenig Sriracha. Eine Variante mit Hähnchen hätte man auch bestellen können. Entscheidend für ein gutes Bánh mì ist aber das Brot. Hier findet man schon mal Baguettes, Semmelartiges oder, auch schon gesehen: Bánh mì auf Ciabatta. Ein richtiges Brot für Bánh mì ist aber etwas Besonderes. Baguette z.B. ist außen knusprig, aber gleichzeitig etwas zäh. Eine alte Semmel ist außen bröselig, aber gleichzeitig knusprig. Bánh mì ist außen glatt splittrig und knusprig, aber ohne zäh oder bröselig zu sein. Innen hingegen ist es eher fluffig. Das wird durch den Zusatz von Reismehl im Teig erreicht. Also so, daß die Füllung saftig sein kann, ohne daß die Kruste von innen nach außen durchweicht.

Und genau so ein Bánh mì gab es im Sun Moon Tea Cafe! Daheim haben wir die Bánh mì erst mal einer optischen Prüfung unterzogen – und das sah schon sehr gut aus.

Banh mi vom Sun Moon Tea Cafe in Stuttgart

Es roch richtig lecker und der erste Biss hat es dann auch bestätigt! Fleisch war zart, Gemüse war knackig, Brot perfekt. Und die Größe war für mich ebenfalls super, danach war man satt und zufrieden, ohne zu voll zu sein. Der Matcha Latte war auch sehr gut, entgegen meiner Befürchtung nicht zu süß. Für mich war hier die Kombination aus Geschmack, Portion und Preis sehr stimmig. Es ist eine schöne Ergänzung in der Stuttgarter Streetfood-Kategorie, die gut erreichbar ist und die man definitiv ausprobieren sollte. Insbesondere, wenn der Matcha Latte hier nur 5,90 kostet und das Bánh mì um die 6 – 7 Euro!

Also, Ăn ngon miệng nhé und Wirsing, Sususi
PS: falls da jetzt nicht steht: Guten Appetit, mein Vietnamesisch beschränkt sich nun wirklich aufs Essen!